Frau E. rotiert



Noch fix zur Post: diverse Päckchen abgeben.
Hoffentlich zum letzten Mal vor dem Umzug.
Jede Minute zählt.
Doppelt.
Langsam dreifach.

Ungeduldig schaue ich zu, wie die junge Auszubildende den ersten Karton auf das gelbe Quadrat legt, um die korrekten Maße zu prüfen.


Sieht doch ein Blinder, daß das paßt. Steht dick der Name meines Dealers drauf.
Und DocMorris bleibt grundsätzlich unter den Maßen eines DHL-Päckchens.

Das ist zu groß, sagt die junge Frau.
30cm sind nicht zu groß.
Doch, sagt sie.
Ich habe das zuhause mit einem Zentimetermaß abgemessen. Haben Sie keines da?
Im Geiste höre ich die Kundin hinter mir aufstöhnen.

Aber das ist mir jetzt wurscht. Ich nehme dieses Päckchen nicht nochmal nach Hause.
Das bleibt hier.
Als Päckchen.

Die junge Postfrau mißt und siehe da: 30cm.
Sag ich doch.
Ich schaue sie an.
Sie mich.
Es ist aber zu groß, sagt sie.

Ist hier versteckte Kamera?

Ich lerne: gültig ist das Rechteck auf dem Paket-Waagen-Aufkleber.
Zentimetermaß hin oder her.

In meinem Kopf erscheint ein Bild: der DHL-Chef mit seiner Gattin im Schlafgemach. Nackig. Sie blickt auf sein Gemächt. Er ruft trotzig: Erika, das SIND 20cm

Nein, ich zwinge das Mädel jetzt nicht, ihr Zentimetermaß neben diesen bekloppten Aufkleber zu legen.
Wie gesagt. Jede Minute zählt.

Ich rupfe Ihr das Päckchen aus der Hand, stelle es hochkant vor mich hin und hämmere mit der Faust darauf ein.
Dann werfe ich es zurück.

Hinter mir bricht wieherndes Gelächter aus.
Die junge Frau befindet sich in Schockstarre.

Ich reiche ihr den nächsten Karton an.
Muß der auch noch bearbeitet werden?
Nein, nein, ruft sie hektisch. Der paßt wunderbar.

Gut, sage ich und drehe mich um zum Abmarsch.
Danke, sagt die wiehernde Kundin hinter mir. You made my day.
Immerhin einem.


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