Der Tag, an dem ich meinen homosexuellen Kumpel verlor

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Die Menschen in Stockholm zählen sicherlich zu den Schönsten der Welt.
Männer wie Frauen.

Wenn ich abends auf der Bank an der populären Joggingstrecke rund um Kungsholmen sitze, habe ich immer wieder den Eindruck, eine der weltbesten Model-Agenturen veranstalte gerade ihren Fitnessabend.
Schlank, blond, sattbraune Haut und Gesichtszüge wie aus dem Bilderbuch.

Da lohnt es sich nicht mal mehr den Bauch einzuziehen.
Aber resignative Entspannung ist auch Entspannung.

Das erinnert mich immer wieder an die Geschichte mit dem homosexuellen Architekten vor ein paar Jahren hier in Stockholm. Wir waren befreundet und trafen uns hier und da. Ein attraktiver Mann, mit dem man sich kultiviert unterhalten konnte.

Er sah aus, wie homosexuelle Architekten eben oft aussehen: Bruce-Willis-"Frisur", Mehrtagebart, Kleidung auf Figur mit hinreißendem Perfekt-gestutztes-Brusthaar-Dekolleté.
Dazu dieser attraktive Modegeschmack, über den er sich fulminante Gedanken gemacht hat, damit er aussieht, als hätte er sich keine Gedanken gemacht.

Als ich mal wieder migränegeplagt in der Ecke hing, bat ich ihn, unser geplantes Treffen bei mir zu Hause stattfinden zu lassen.
Was gibt es Entspannteres, als zugedröhnt und mit Schlumpklamotten, in netter Gesellschaft auf dem Sofa zu hängen?

Wir hingen da so also herum und plauderten, bis der Tee wieder zu Neige ging.
Ich schleppte mich in die Küche und harrte des heißen Wassers, als plötzlich...zwei Hände sanft meine Hüften umfaßten.
Mich umdrehten.
Lippen auf meinen.
Explodierendes Fragezeichen über meinem Kopf.

Mein "Men är du inte bög???!", küßte er lachend weg.
Offenbar war er also nicht bög (schwul).
So kann das kommen in Stockholm.
Wie soll man da als Nichtschwedin auch den Durchblick behalten.

Nicht umsonst wird hier immer wieder die TV-Serie "Welcome to Sweden" zitiert.
In einer Folge besuchen die amerikanischen Eltern ihren Sohn in dessen neuer Heimat Stockholm. Beim Spaziergang schaut der Vater den vielen gestylten Männern mit Kinderwagen hinterher.
Soo viele gay-nannies, staunt er.
Nicht gay-nannies, antwortet der Sohn: Das sind die Väter.

Wie ich gerade jetzt auf das Thema komme?
Heute beginnt in Stockholm das einwöchige Pride-Festival.

Jedes Jahr zu dieser Zeit reisen Zigtausende Homosexuelle, Bisexuelle, Transsexuelle und auch sonst recht sexuelle Gäste aus alles Welt nach Stockholm.
Es finden Paraden ähnlich dem CSD statt und viele Veranstaltungen jenseits des Stadtzentrums.

Aktuell kann ich also absolut nicht mehr herausfinden, welche der hübschen Herren sich überhaupt - theoretisch - eventuell für mich als Frau interessieren könnte.
Also bleib ich mal schön zuhause.
Nicht, daß ich nochmal meine Kleider verliere, bevor ich die Situation begreife.


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