Sommerflucht nach Stockholm 2015 oder Quarantäne de luxe



Schönen Urlaub!
Schönen Urlaub!

Wo ich mich auch blicken ließ, flötete man mir vor meiner Sommerflucht diesen Satz entgegen. Ich weiß, was man mir damit sagen möchte. Und ich finde es total lieb, mir eine schöne Zeit zu wünschen. Danke, daß Ihr Euch mitfreut!

Der Begriff "Urlaub" verursacht bei mir allerdings ein gewisses Grummeln im Magen.
Urlaub ist nach meiner Definiition etwas Freiwilliges.
Man fährt weg, weil man Lust hat, wegzufahren.

Und man fährt so lange weg, wie man Lust hat, weg zu sein.
Oder wie der Chef Lust hat, daß man weg ist.
Oder das Portemonnaie Lust hat.

Wenn man zu einer bestimmten Zeit aus gesundheitlichen Gründen genötigt ist, seine geliebte Wohnung und die ebenso lieben Freunde und sein Umfeld und sein bequemes Bett und bekanntes Sein zu verlassen und zwar so lange, wie es zuhause warm ist oder schwül oder warm und schwül, dann ist das kein Urlaub, sondern Notwehr. Man kann nämlich auch an den schönsten Orten der Welt üble Heimwehphasen erleben, wenn man weiß, daß man nicht nach Hause kann.


2014 durchlitt ich im Düsseldorfer Sommer 80 Tage ohne eine einzige Stunde Pause von Trigeminusneuralgie oder Migräne. Trotz nur im Haus Bleibens, trotz kiloweise Schmerzmittel, trotz eines fulminanten Superduper-Klimageräts, das mir ein lieber Bekannter tapfer bis in meine Wohnung schleppte.

Nach zwei Wochen wollte ich nur noch sterben.
So einfach geht das aber nicht.
Den Rest der Zeit verlebte ich dermaßen zugedröhnt, daß ich zu gar nichts mehr eine Meinung hatte.

In der Zeit wurde mir mal wieder klar, daß ich gänzlich aus meiner Heimat wegziehen muß. Koste es, was es wolle.
Von April bis Ende September geht es mir dort wegen des Klimas noch viel schlechter, als sowieso schon. Das Rheinland gehört zu den ganz wenigen Ecken Deutschlands mit tropischem Klima.

Bei dem Gedanken, alles aufzugeben, was ich mir trotz Schmerzen mühsam über viele Jahre an Sozialleben und Arztkontakten aufgebaut habe, wird mir allerdings ganz anders. Und so habe ich mir bisher immernoch mit dem Sommerfluchtkompromiß die übelste Zeit optimiert.

Öfter werde ich gefragt, warum ich mir nicht an der Ostseeküste für den Sommer eine Ferienwohnung miete. Ganz einfach: weil dann Hochsaison ist. Eine Ferienwohnung an der deutschen Küste würde mich noch viel mehr kosten, als eine Nichtferienwohnung in Stockholm.
Das Klima in Stockholm ist zudem noch besser für mich, als das an der deutschen Küste. Es geht doch nichts über einen gepflegten Eiswasserguß im Juli ;-)

Und nun kommen wir zu den schönsten Argumenten pro Stockholm:

Weil ich mich hier zuhause fühle.
Weil ich hier Freunde habe und ein Leben.
Weil ich hier in den Alltag hineingleite wie ein Fisch ins Wasser.
Weil ich hier jeden Stein und jede Hausecke mit Namen begrüßen kann.
Weil ich hier nach megakurzer Busfahrt im absoluten Nirgendwo alleine am See sitzen kann.
Weil die historische Architektur mich unglaublich glücklich macht.

Kurzum:

Weil ich Stockholm von ganzem Herzen liebe.


Und weil Liebe fast alle Unbill lindert, kann auch ein Nicht-Urlaub ein seeliges Lächeln auf mein Gesicht zaubern.


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