Worst Comment: Sie sehen aber gut aus


Plötzlich bleibst Du mit Deinem nigelnagelneuen Wagen auf der Autobahn liegen.
Pröt, pröt, macht der Motor.
Dann ist er still.

Endlich erscheint der ADAC.
Er schwingt seinen Gelbmann über, schaut Dein Auto an.
Dann fährt er weg.

Du stehst da.
Nachts. Allein. Auf der Autobahn.
Über Deinem Kopf 23 Fragezeichen.

Du rufst die Polizei, Deinen Freund und Helfer.
Freund und Helfer nahen, schauen auf Dein liegengebliebenes Wrack.

Der ist völlig in Ordnung.
Aber der springt nicht mehr an?!
Kann nicht sein. Sie drehen sich um.

Ja, wollen Sie nicht vielleicht erst mal unter die Motorhaube schauen?
Nö. Die beiden winken ab. Der sieht gut aus, der hat nix.

Gibt es nicht?
Doch. Gibt es schon.

JEDEN EINZELNEN TAG.

Nicht mit einem Auto.
Aber mit dem eigenen Körper.

Wenn ich es vor die Tür schaffe, erlebe ich diese Reaktion bei 90% aller Menschenkontakte.

An der Straßenbahnhaltestelle (Sie sehen aber frisch aus! Schön, daß es Ihnen besser geht! - Dosch), in der Bahn (Habe Sie lange nicht mehr gesehen. Waren Sie verreist? - Verreist?!), in der Arztpraxis (Dann kommen Sie morgen nochmal kurz vorbei. Sie haben doch gesunde Beine, harhar.).

Die restlichen 10% schauen einfach ungläubig.

Typischer Gesprächsablauf:
Wie geht's?
Na ja, ein paar Tage vor lauter Schmerzen und Elend nicht aus der Wohnung gekommen. Bin total fertig.
Sie sehen aber gut aus.

Na, dann.
Muß ich mich wohl geirrt haben.

Natürlich geht es mir in dem einen Moment besser, als die Tage zuvor.
Sonst stünde ich ja gar nicht erst auf der Strasse.

Nun kann ich den Menschen schlecht einen Vorwurf machen, daß sie das Bild nicht mit dem Ton zusammenbekommen.
Meine Krankheit zaubert pinkfarbene Wangen.
Ich sehe auch ungeschminkt aus, als käme ich frisch vom Almabtrieb.

Wenn nur dieses ABER nicht wäre!

ABER klatscht ins Gesicht wie ein nasser, dreckiger Wischmop.
ABER vermittelt, daß man lügt, simuliert, übertreibt.
ABER erklärt all die Stunden atemlosen Schmerzes, von Verzweiflung und Elend zu einem Nichts.

Was man nicht sieht, kann nicht sein.

Daß es Menschen mit unsichtbaren, chronischen Krankheiten viel schlechter gehen kann, als jenen, die im Rollstuhl sitzen, blind sind oder sonstige sichtbare Einschränkungen besitzen, scheint nicht vermittelbar.

Und daß es Menschen mit unsichtbaren, chronischen Krankheiten allein deshalb noch viel schlechter ergeht, als nötig, weil sie tagein, tagaus argumentieren müssen, etwas nicht zu bewältigen, scheint noch weniger vermittelbar.

Das Leben ist endlich.
Bei der Schlichtheit des menschlichen Gemüts bin ich mir nicht so sicher.

"Ich möchte gar nicht mehr unter Leute. Ich kann diese Sprüche nicht mehr hören.", sagen H und A und W und eigentlich alle Chroniker, die ich kenne.

Vielleicht sollten wir den Spiess mal umdrehen.

Der schluchzenden Nachbarin, die ihren Mann eben mit ihrer besten Freundin im Bett erwischt hat, fröhlich auf die Schulter klopfen: Sie sehen aber gut aus!

Auf den Friedhof marschieren und eine Beerdigung crashen.
Sind Sie der Witwer? Sie sehen aber gut aus!

Job verloren?
Sieht man Ihnen nicht an, Herr Schmidt! Sie sehen blendend aus.

Ja, ich glaube, das gönne ich mir demnächst mal.

Schlimmer noch, als im Privaten, ist es, hilfesuchend vor Fachleuten zu sitzen und denselben Spruch zu hören.
Weil man in diesem Augenblick alles verliert.

Das Vertrauen in ärztliche Kompetenz.
Den Wunsch, Ernst genommen zu werden.
Die Hoffnung auf Hilfe.

Wer hilft schon jemandem, der augenscheinlich keine Unterstützung braucht?
Die Tür, die am Meisten quietscht, bekommt das Öl.

Frau E., sagte mal ein von mir sonst sehr geschätzter Schmerzspezialist zu mir, ich habe hier Patienten sitzen, die weinen die ganze Zeit. Denen geht es wirklich schlecht.

Eigentlich könnten wir sämtliche Untersuchungsgeräte abschaffen.
Wozu röntgen, wenn doch jeder sieht, ob man etwas hat?

Krankheiten wie chronische Schmerzen, Morbus Crohn, Epilepsie, Depressionen, Rheuma und all die anderen Millionen unsichtbaren Leiden.
Alles Fakes?

Jeder 11. Bundesbürger ist schwerbehindert.
7,5 Millionen Menschen.

Nach Logik der "Aber man sieht nix-ens" müssten Büros und Busse zum Bersten gefüllt sein mit Rollstuhlfahrern.
Die ganze Stadt würde erbeben vom Geklapper der Blindenstöcke.

Vielleicht sollte ich mal einen Schönheitschirurgen konsultieren.
Wozu wohne ich in der Hochburg.

Können Sie Derrick?, werde ich fragen, und mit einem Foto seiner fulminanten Tränensäcke wedeln.
Dann habe ich endlich Ruhe.

Und allen, die weiter so denken möchten, empfehle ich einen Umzug nach Fukushima.
Bissi krebserregend vielleicht.
Sieht aber gut aus.


>> Und dies steckt hinter der rosigen Fassade.

Kommentare :

  1. Sie haben ja so recht!
    Mir persönlich (habe seit meinem 2ten Lebensjahr sehr aggressiv verlaufende rheumatoide Arthritis + andere blöde Erkrankungen) sind aber auch oft schon solche begegnet, die trotz Rollstuhl bzw. Elektrorollstuhl (je nach Anlass) der Meinung waren ich hätte ja nix, weil ich z.B. mit 33 zu jung wäre oder nicht behindert genug aussehe, verheiratet bin etc.

    Manchmal frage ich mich wie solche Menschen ihre Umwelt wahrnehmen.....

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    1. Liebe Alsuna,

      es tut mir leid zu hören, daß Du auch mehrfach betroffen bist!!

      Daß nicht mal schwer Kranke untereinander verständnisvoll sind, habe ich auch bereits erleben müssen. Ebenso den völlig unlogischen Spruch, doch viel zu jung für "all das" zu sein. Als ob man in jüngeren Jahren ein Recht auf Unversehrtheit hätte!

      Ich wünsche Dir von Herzen weiterhin auch viel Kraft zum Durchstehen von Krankheit und Sprüchen!

      LG von Pia

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  2. Supertext, Pia! Mal wieder! Ich verstehe, dass einen das aufregt, vor allem, wenn das ständig kommt. Ich würde da, glaube ich, auch Mordphantasien entwickeln. Auch wenn ich vermute, dass der Spruch, wenn er von Fremden oder flüchtigen Bekannten kommt, eine Verlegenheitsreaktion ist, weil die Leute überrumpelt sind, sie rasch etwas Aufmunterndes/Positives sagen wollen – so sind ja die meisten erzogen – und ihnen so schnell nix anderes einfällt. Bei Leuten, die Dich kennen oder gar in der Arztpraxis finde ich das einfach nur zynisch.

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    1. Danke Dir, liebe Stella!!

      Ja, Mordphantasien habe ich in der Tat inzwischen bei den verschiedenen Worst Comments... ;-) Meist treten sie ja noch geballt auf und wenn man seit 17 Jahren dasselbe hört, möchte man sich am Liebsten nur noch unter Seinesgleichen bewegen.

      Aber in ruhigen Momenten begreife ich natürlich, daß man als Außenstehender reflexartig den ersten Gedanken äußert. Dummerweise haben 99% denselben ersten Gedanken.. ;-)

      LG nach Schweden - auch an die kleine Dame - von

      Pia

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  3. Liebe Frau E.,

    ich habe vor knapp zwei Wochen zum ersten Mal Deinen Blog entdeckt und lese seitdem entzückt mit - entzückt nicht in Anbetracht Deiner Themen...das wäre dann wohl manchmal eine ziemlich zynische Vokabel...sondern entzückt, weil Du eine Sprache findest, mit der man schlimme Dinge zugleich formuliert und doch auch wieder nicht, eine Sprache, die auch andere verstehen und nachvollziehen können.

    Ich habe auch einen kleinen Schädeldämon, der mich phasenweise ziemlich in die Knie zwingt und habe erst recht schlucken müssen, als ich Deine Geschichten gelesen habe - ich finde Migräne schon schlimm, Trigeminusschmerzen müssen ja noch viel unerträglicher sein und ich kann mir kaum vorstellen, wie es sich anfühlt, damit zu leben.

    Ich schreib Dir grad auch deswegen, weil Du in vielen Deiner Posts - besonders in dem hier - auch etwas auf den Punkt bringst, was ich neben dem Schmerz an sich besonders ärgerlich finde, nämlich das temporäre - oft leider sogar auch nachvollziehbare - Unverständnis der Umgebung, diese miesen, fiesen kleinen Missverständnisse, die auftauchen, weil Menschen nicht begreifen, wie perfekt man Schmerz überspielen kann. Oder dass sie einen in der schlimmsten Phase auch eben einfach nicht zu Gesicht bekommen, sondern vielleicht erst dann, wenn der Schmerz nachlässt und man sich wie ein kleines Kind über den Anblick einer Blume freut oder selbst vor Freude über das überstandene Inferno aussieht, wie das blühende Leben.

    Um auf den Punkt zu kommen: Ich nehme gerade an einem interdisziplinären Forschungsseminar an der Ruhr Uni Bochum teil, das sich genau mit der Frage beschäftigt, auf welche Weise man Schmerz formulieren kann, damit er fassbar und sichtbar wird - vielleicht auch in einer Form, die andere nicht überfordert, die es möglich macht, Wege der Kommunikation zu finden, um Missverständnisse vielleicht auflösen zu können.

    Da ich aus der Literaturwissenschaft komme, interessieren mich vor allem sprachliche Bilder und Deine mag ich sehr - das mit den Piranhas z.B. - und ich wollte Dich daher a) fragen, ob ich Auszüge aus Deinem Blog im Seminar vorstellen darf? Es sind zehn Leute und im Moment geht es nur darum, dass jeder sein Thema vorstellt und man sich gegenseitig bespricht und unterstützt. B) wird es im April eine öffentliche Ausstellung nebst künstlerischer Präsentation der Forschungsergebnisse geben - ich weiß noch nicht, ob und wie ich es bis dorthin schaffe, weil es mich grad auch sehr viel Kraft kostet, aber ggf. würde ich auch dort gern verschiedene Formen von Textauszügen aus der Literatur, von Patienten etc. mit einbinden wollen. Dürfte ich Dich dort ggf. zitieren? Ich würde Dich natürlich bis dahin auf dem Laufenden halten, wie das sich genau gestalten würde, wenn ich es denn soweit überhaupt schaffen sollte ;). C) würde ich gerne Anfragen in einigen Migräneforen starten, wer vielleicht sonst noch metaphorische oder anderweitige sprachliche Beschreibungen seines Schmerzes formulieren möchte und würde dort als Beispiel evtl. links zu Deinem Blog posten. Wärst Du damit einverstanden?

    Ich pack Dir mal noch meine Mailadresse in den Newsletter-Feed, dann kannst Du mir da auch in Ruhe antworten, falls Dir das lieber ist (nicht irritieren lassen: Ist meine Uniadresse und das verpeilte Rechenzentrum benutzt meinen ersten Vornamen - ich hab zwar Kopp, aber schizophren bin ich (noch) nicht ;)).

    Vielen lieben Dank schon mal für Deinen feinen Blog, der mich gestern tröstlich durch ein monatliches Hauptinferno begleitet hat. Ein zauberhaftes, autschnfreies Wochenende wünsch ich Dir.

    Liebe Grüße
    Rebecca

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    1. Liebe Rebecca,

      vielen Dank für Deinen wunderbaren und ausführlichen Kommentar! Es freut mich riesig, daß ich Worte gefunden habe, die beschreiben, was wir alle durchmachen.
      Es ist auch für mich immer schön, zu merken, daß man mit seinen Gefühlen und Ansichten nicht alleine ist.

      Vor allem Deinen Satz mit der Freude über die Blumen und das Leben vor der Tür, wenn der Schmerz endlich einmal wieder nachgelassen hat, sprach mir aus der Seele!

      Deine Mailadresse konnte ich leider nicht finden, aber Du kannst mir gerne an die Adresse aus dem Impressum mailen, dann antworte ich Dir von dort nochmal.

      Bei Deinen Projekten darfst Du gerne meine Texte vorstellen - so lange Du nicht den Guttenberg machst... ;-)
      Zitiert kannst Du gerne alles einsetzen, ganz wie Du es benötigst. Ich habe ja selbst Interesse daran, daß so eine Forschung vorangetrieben wird und bin gespannt auf die Ergebnisse! Selbst komme ich ja ebenfalls aus der Literaturwissenschaft. Mein Studium ist nur ein weeenig länger her.. ;-)

      Für heute erst einmal liebe Grüße nach Bochum!

      Pia

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  4. Liebe Pia!

    das ist der erste Artikel, den ich von dir lese und ich dachte einfach nur "wow" .. aus diesem Artikel konnte man (als neuer Leser) nicht darauf schließen, was genau dir fehlt, aber deine Beschreibung deiner Erlebnisse haben mich trotzdem sehr fasziniert und auch zum Nachdenken angeregt. Viele Menschen, die selbst nicht unter einer "unsichtbaren" Krankheit leiden, können das natürlich nicht nachvollziehen .. zum Glück bin ich persönlich nicht betroffen. Aber auch ich habe derzeit mit viel Unverständnis zu kämpfen. Ich bin gerade im 9. Monat schwanger und da ich adoptiert bin, kann weder meine Mama noch mein Papa nachvollziehen, wie es mir gerade geht. So ist es mir zum Beispiel unlängst passiert, dass ich meinen Papa gebeten habe, mich von der Straßenbahnstation abzuholen weil ich gerade unglaubliche Schmerzen hatte und zudem ganz dringend aufs Klo musste und seine Antwort war nur "Ach komm, die 5 Minuten .. das tut dir doch gut" .. das fühlt sich dann auch an, wie ein Schlag ins Gesicht. Nicht, dass das mit einer chronischen Krankheit zu vergleichen wäre .. aber dieses Gefühl des Nicht-verstanden-werdens kann ich sehr gut nachvollziehen.

    So, und jetzt stöbere ich ein bisschen weiter auf deinem Blog herum :)

    Viel Kraft und alles Liebe,

    Kathi

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    1. Liebe Kathi,

      es tut mir leid, daß Du auf so viel Unverständnis stößt! Vielleicht hat es nicht mal etwas mit dem Adoptiertsein zu tun, sondern einfach mit den unterschiedlichen Generationen? Väter sind ja oft etwas arg verständnislos gegenüber kleinen Schwächen und denken in Richtung Abhärtung. Das kenne ich leider auch.

      Es ist aber sehr schön, zu lesen, daß Dir mein Blog gefällt! So bekomme ich das tolle Gefühl, trotz aller Einschränkungen noch ein wenig "auf die Reihe" zu bekommen.

      LG von Pia

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  5. Liebe Pia,

    du hast wieder so treffend und eindrücklich geschrieben! :-)
    Was mich betrifft, so wünschte ich manchmal, jemand würde zu mir sagen: "Sie sehen aber gut aus." Denn ich bekomme immer das Gegenteil zu hören!! :-( Mir sieht man die Migräne einfach immer an, auch wenn ich gerade keine Attacke habe...
    Ein WC für mich ist: "Trinkst du denn genug?"

    LG, du Gutaussehende ;-) ,
    Josefine

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    1. Liebe Josefine,

      uuund? Trinkst Du denn auch genug? ;-) Oder hast Du es mal mit Magnesium probiert? (siehe meine anderen Worst Comments).

      Dürfte ich mir Dein Migräne-Aussehen bitte ab und zu mal ausleihen? Dieses ständige Unglauben ist - bei aller Lustigkeit der Darstellung - sehr belastend und kann sogar negativ über meine weitere Zukunft entscheiden.

      Dir wünsche ich viele, viele migränefreie Tage!!

      Pia

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  6. Komisch. Bei mir ist es immer umgekehrt. Wenn ich mich wohlfühle, ausgeschlafen bin und voller Tatendrang, sagen Freunde oder Kunden, dass ich schlecht aussehe, was ich denn hätte und dass ich mal an die frische Luft gehen soll. :-)

    Das ist natürlich ein hinkender Vergleich, da ich keine chronischen Erkrankungen habe.

    Dass Ärzte auch nach jahrzehntelanger Berufserfahrung immer noch nicht wissen, dass man nicht kilometertief verlaufende Augenringe haben oder mit fettigen Haaren durch die Gegend laufen muss, wenn du es mal schaffst, endlich vor die Tür unter Menschen zu gehen (wenig Kontakt mit Sonnenlicht hat dir ja auch noch diese faltenfreie Haut ermöglicht), ist mir ein Rätsel.

    Gut, dass du dein Leid in so treffende und immer noch eine Spur humorig-zynische Worte fassen kannst.

    Ich rdrück dich, dein Fröken

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    1. Liebes Fröken,

      also, ich finde ja, Du siehst immer blendend aus!

      Vielleicht sollte ich mir meinen Text auf die Stirn tätowieren lassen, dann würden auch Ärzte endlich mal glauben, daß Optik und Inhalt nicht identisch sind.

      Danke für den Drücker! Kann ich gut gebrauchen!!

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  7. ...und wenn Du glaubst es geht nicht mehr kommt irgendwoher MANUEL NEUER!

    https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=od1VifM2OU8

    Nur für Dich :-)

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  8. Hallo Pia,

    ich habe mal wieder Zeit für deinen Blog bekommen. Zwischenzeitlich hatte ich weing Zeit, da ich Besuch von meiner lieben Migräne bekam, die auch ihren Freund Ischias mitgebracht hat!

    Ich muß dir leider voll und ganz recht geben, daß es so viele Ignoranten geben.
    Meine Chefin sagte die Tage zu mir : Ich glaube du bist Scheintot.

    Der Trost für mich ist, das sie ebenfalls chronisch Krank ist und man sieht es Ihr äusserlich nicht an.

    Mein Ischias brüllt mitlerweile seit einem Jahr, und je nachdem wie ich mich bewege habe ich
    Schmerzen, die mich veanlassen einen Ton von mir zugeben. Da kommen auch schon mal
    Kommentare von meinen Kunden wie z.B. Rücken? ich :Ja ! Ischias! Kunde: Da sind sie doch noch viel zu Jung für! ich : Ach und ab wann darf man DEN haben???

    Junge Kolleginnen können auch grausam sein: Da ich eine Trigeminus & Occipitalisneuralgie
    habe und bei einer Attacke sich mein Gesicht verzogen hat ( sieht aus wie nach einem Schlaganfall) meinte eine Kollegin zu mir : ich kann nicht verstehen warum der Chef dich mit so einer Fratze hinter die Theke lässt!

    Ich war am Boden zerstört. Mein Hausarzt betrieb Schadensbekämpfung und empfahl mir eine
    Psychotherapie. Seit dem komme ich saogar mit den gröbsten Gemeinheiten klar.

    Meine lieben Quälgeister habe ich über die Jahre akzeptieren ("lieben")gelernt.

    Ich war die Tage bei einem Schmerztherapeuten der mir hilft, meinen Ischias los zu werden.
    Wie wir uns so unterhielten , über Migäne und so, schüttelte er den Kopf und meinte:
    Meine Patienten sind alle so Krank, aber meine Patienten haben alle so viel Kraft, das glaubt man kaum!

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    1. Liebe Paula,

      es tut mir in der Seele weh, wenn ich lese, wie unsensibel Deine Umgebung mit Dir umgeht!!
      Das Traurige ist: sollte jemandem der Sprücheklopfer selber in Zukunft so etwas wiederfahren, ist es zu spät, das Leid rückgängig zu machen, das sie Dir früher zugefügt haben!

      Ein Glück, daß Du psychologische Unterstützung hast! Ich habe sie auch und nur deshalb habe ich bisher noch niemanden verhauen.. ,-)

      Trigeminusneuralgie bzw. -neuropathie plagt mich ja auch. Aktuell seit 10 Tagen, jeden einzelnen, verfluchten Tag. Man möchte nur noch sterben und wenn es dann nach 20h mal einen Hauch besser wird, kommt das Glück über den nachlassenden Schmerz. Und die Hoffnung, daß er einen für ein paar Stunden in Ruhe läßt, damit man für die nächsten 20h Kraft sammeln kann.

      Ich wünsche Dir von Herzen viele, viele Stunden mit wenig Schmerzen - egal an welcher Stelle!

      Du bist nicht allein!

      Liebe Grüße von Pia

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    2. Ich hoffe und wünsche dir , dass der Tag nur aus 20 Uhr besteht!
      Ich habe nur dann Ruhe , wenn ich mich für die Nacht ausnocke (Amitriptylin)
      und meinen Brummer anmache!

      Aber es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.

      Lieben Gruß Paula

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    3. Hab lieben Dank, Paula!!

      Nein, wir sind nicht alleine. Es fühlt sich nur oft so an, weil die anderen Schmerzpatienten ja auch meist versteckt zuhause leiden.

      Und wenn sie es aus dem Haus schaffen, tragen sie auch kein Schild auf der Stirn, d.h. wir überschätzen ihre Kraft leider genauso, wenn wir sie nicht kennen.

      Ganz liebe Grüße von

      Pia

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  9. Liebe Pia,

    grad noch mal mit Akutautschn gelesen. Wieder zustimmend die Stirn gerunzelt, dann noch zustimmender die Stirn gerunzelt, an der Derrick-Stelle laut gelacht, noch mehr Autschn, erst recht gelacht - jetzt über die Gelächterendorphine freuen. Großartiger Text. Danke!

    Liebe Grüße
    Rebecca

    P.S.: Noch mehr gelacht, als mich das reCaptcha-Tool bei der Kommentarveröffentlichung grad fragte, ob ich ein Roboter bin und ich mir vorgestellt habe, wie wohl ein Roboter mit Migräne aussehen könnte. Wahrscheinlich auch, wie einer ohne.

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    1. Liebe Frau Roboterin, ;-)

      das ist doch mal eine schöne Schmerztherapie: Lachen rezeptfrei.
      Freut mich, daß ich dazu beitragen konnte!!

      LG und ganz bald wieder einen schmerzfreien Kopf wünscht Dir

      Pia

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