Meine erste Milie

Der Tatort - irgendwo da..


Oh, sagte meine Friseurin.
Die Süße von damals, die so viel redete.
Sie erinnern sich?

Oh, sagte sie und beugte sich zu mir herunter.
Dabei starrte sie mir auf die Wange, als säße dort ein Mörderfurunkel.

Sehen Sie?
Ich sah nichts.
Zack, hatte ich einen Spiegel in der Hand.

Da, eine Milie.
Eine Milie.
So so.

Ich kenne nur Emilie.

Muß Ihre Kosmetikerin unbedingt entfernen.
Ich HABE keine Kosmetikerin.

Jetzt schaute sie mich an, als hätte ich eröffnet, noch nie eine Banane gesehen zu haben.
Sie haben keine Kosmetikerin?
In Ihrem Alter????

Mein Alter wirst Du Zuckerpuppe nicht mehr erreichen, wenn Du so weiter redest, dachte ich.

Nun sah ich mich schon auf einem unbequemen Holzschemel in einer verschämten Runde hocken.
Ich heiße Pia und war noch nie bei einer Kosmetikerin.
Hallo Pia.

Wie machen Sie das dann mit Ihrer Haut?
Ja, wie schon: waschen, abtrocknen, Nivea drauf.

Da haben Sie aber bisher echt Glück gehabt.

Nun könnte ich natürlich mal so richtig bratzig sein.
Ich könnte sagen. Lassense doch einfach mal die Schachtel Zigaretten pro Tag und die 15 Kannen Bier am Wochenende weg, dann brauchense auch keine Kosmetikerin.

Aber ich bin ja nett und lasse mich mit einer Visitenkarte der Kosmetikerin ihres Vertrauens nach Hause entsenden.

In den folgenden Tagen fragte ich dezent herum, wer denn schon mal bei einer Kosmetikerin war.
Gut, ich gebe es zu: die Nummer mit dem "in Deinem Alter" bekam ich öfter zu hören.
Und daß Nivea ja nun wahrlich nichts sei, wenn man in die Jahre und so...

Komisch, mir war noch nie der Gedanke gekommen.
Aber meine Freundinnen und ich pflegen uns auch nicht über solche Themen zu unterhalten.

Wir reden über Beruf, Männergeschichten mit Liebe, Reisen, Männergeschichten ohne Liebe, Zukunftspläne, Hobbies, die Welt im Allgemeinen und Liebhaber im Besonderen.

Mit keiner meiner Freundinnen habe ich mich jemals über Frisör, Schminken oder Nagellack unterhalten.
Kein Wunder, daß ich in dem Thema so jungfräulich bin.

Ich fand, ich sollte jetzt doch endlich mal erwachsen werden.
Also rief ich bei der Kosmetikerin meiner Friseurin ihres Vertrauens (oder so) an.

Für was denn?, fragte die Dame am Telefon.
Ja, für was.

Sie ratterte 20 Beauty-Programme herunter.
Danach eine lange Pause.
Jetzt sollte ich wohl was sagen.

Öhem.
Ich hätte gerne das Minimalprogramm zum Entfernen von Milien.

Ja, sooo einfach geht das ja nicht.
Das hatte ich befürchtet.

Da muß die Haut erst mal aufgeweicht werden und gereinigt und die Poren bedampft und..
Muß das sein?
Schweigen.
OK. Muß.

Die Frau am anderen Ende war so entgeistert, daß ich einfach mal das Einsteigerprogramm buchte.
Und so begann die kleine Geschichte hier.

>> Und so geht's weiter..

Kommentare :

  1. Ich bin so glücklich! Danke, Pia! Danke für diesen wunderbaren Eintrag und dafür, dass Du eine Frau bist, die sich nicht über Schminke, Milien und Nagellack unterhält. Ich auch nicht. Ich schreibe nur Bücher drüber. Aber das ist ein anderes Thema... *hust*

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    1. Liebe Stella,

      willkommen im Club der Schmintäschchengesprächsfreien!

      Wenn man die Menge der Styling-Blogs im Netz sieht, könnte man es fast mit der Angst zu tun bekommen.. ;-)

      Und was das ein oder andere Bücherthema betrifft, das Du ansprichst: müssen wir uns nicht alle für den Lebensunterhalt ein weeeenig prostituieren? ;-)

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  2. Pia! Du bist Blogzug-Kontrolleurin. Gerade jetzt. Nur, dass Du das weißt. Ich krieg das nämlich nie mit, wenn ich es bin.

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    1. Oh, danke für den Hinweis!!
      Habe ich natürlich auch nicht mitbekommen... ;-)

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  3. Fröken Faltensson10. Dezember 2012 um 13:44

    Nein, das kann nicht sein, dass irgendeine Milie deinen Porzellanteint attackiert. Ich kenne keine, die einen so makellosen Teint hat wie du und wünschte, ich hätte ebenfalls die Sonne gemieden, statt mir Tiroler Nussöl ins Gesicht zu schmieren. Gegen Nivea ist gar nichts zu sagen. Die schönste Frau, die mir je begegnet ist, war eine Sennerin in einer Tiroler Hütte. Sie war Ende 70 und sah blendend aus. Sie nähme nur Nivea, sagte sie. Na, bitte!
    :-)

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    1. Liebes Fröken,

      vielen Dank für den "Porzellanteint"!
      In der Schule mußte ich deswegen viele Jahre den Spitznamen "Käthe Kruse-Puppe" mit Würde ertragen.. ;-)

      Vielleicht sollte ich den Blog von Beiersdorf sponsoren lassen.. ;-)

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  4. Köstlich, diese Geschichte. :-)

    Ich gebe es zu: Mein Name ist Ellen und ich gehe zur Kosmetik! (1x im Jahr zu irgendeiner Kosmetikerin, weil ich zu faul bin mich immer selber um meine Mitesser zu kümmern.)

    Trotzdem musste ich googlen was eine "Milie" ist. Die gute Nachricht: Es ist KEINE Hautkrankheit! Die schlechte: Es ist ein KOSMETISCHES PROBLEM.

    LG und halt die Ohren steif,
    Ellen von http://klug-geschlussvolkert.de

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    1. Liebe Ellen,

      merci!
      Freut mich, daß Dich mein Kosmetikerin-Leiden unterhalten hat! ;-)

      Glücklicherweise reicht es vollkommen aus, alle paar Jahre mal nach den kleinen Pünktchen zu schauen. Das werde ich überleben.. ;-)

      LG und viel Spaß bei Deinem Jahrestermin 2013!

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