Der stille Tod meiner ersten Milie



Zack.
Der gynäkologisch anmutende Stuhl knallt nach hinten.

Liegen Sie gut so?
Wenn ich von dem ganzen Blut in meinem Kopf absehe und von der Ekeldecke, die sie gerade auf mich geworfen hat, könnte man es als erträglich bezeichnen.

Schlirrppp...
Ein gefühlter Liter kalter Matsch glitscht mir ins Gesicht.
Ich verziehe alles, was ich in selbigem zu bieten habe.


Entspannen Sie sich.
Ha. Klar. Da war doch was.

Genießen Sie!
Dabei schmiert sie mir den kalten Glitsch im Gesicht herum.

Uaaaaaaaaaaargh.
Ich möchte aufspringen und rausrennen.
Deshalb wird man also in dem Stuhl eingewickelt und nach hinten gelegt!

Irgendwann entfernt sie den Matsch.
Ich atme auf.

Schlirrppp...
Sie sollten schon die Augen schließen, Frau E.

Langsam klingt sie nicht mehr so nett.
Nachdem ich auch die zweite Runde mit 6597 Grimassen überlebt habe, kommt es noch schlimmer:

Heißer Dampf.
Da freut sich die Migränikerin.

Dann starrt mich plötzlich ein Zyklop an.
Hilfe!

Die Dame zieht das Vergrößerungsglas beiseite und blickt mich tadelnd an.
Wenn Sie mich so leidend angucken, kann ich nicht arbeiten.

OK, ich verspreche, ich schaue nicht mehr leidend.
Sie zieht das Vergrößerungszyklopending wieder über meinen Kopf und sticht die erste Milie auf.

In der Zwischenzeit frage ich mich: wenn man schon ein überdimensionales Vergrößerungsdings und einen Scheinwerfer braucht, um die Dinger zu sehen, warum müssen sie dann entfernt werden?

Aber für diese Frage ist es eindeutig zu spät.
Zum Dank fürs stille Erdulden bekomme ich eine dritte Schicht Matsch ins Gesicht.
Und auf die Augen.

Genießen Sie es!

Im Kernspin geben sie einem immer einen Notknopf in die Hand.
Hier nicht.

Hier muß ich ZEHN Minuten mit geschlossenen Augen und jeglichem Widerwillen, den meine Seele hergeben kann, mit bematschtem Gesicht in Ekeldecken ausharren.

Zeeeeehn..

Neuuuhhn..

Achhhht..

Endlich!

Sie rettet mich.

Ich glaube, das ist nichts für Sie, oder?
Erleichtert atme ich auf.
Die Frau versteht mich.

Dann lassen wir den Rest des Programms besser.

Den Rest?
Wir waren immernoch nicht fertig????

Ja, den lassen wir wohl besser.

Ich drücke Ihr mein Fluchtgeld in die Hand und renne aus dem Institut.

Draußen atme ich auf.

Frei!

Und die Milien können mich mal.


>> Neugierig auf Teil 1 der Geschichte?

Kommentare :

  1. Ich fühle mir dir, ich kann dich sooo gut verstehen!!
    Mein vorhochzeitliches Geschenk war eine Gesichtsbehandlung, die mir nicht nur Verspannungskopfschmerzen, sondern einen ganzkörperlichen Muskelkater beschert hatte.
    Nie wieder!

    In diesem Sinne: Genießen Sie es!
    Zita

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    Antworten
    1. Oh, vielen Dank, liebe Zita, für den moralischen Beistand!! ;-)

      Als Vorbereitung auf eine Hochzeit kann ich mir auch schönere Events vorstellen! ;-)

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