Station 1 von Frau E.s Tour des lits in Stockholm



"Du???? Ausgerechnet DU?" Meine nette Nachbarin A. bekam sich kaum wieder ein. "Wenn ICH das wär. Ich kann überall schlafen. Egal wie laut und dreckig. Zur Not zische ich mir ein paar Bier und dann bin ich weg. Aber DU?"

Ja, sagte ich, Du hast ja recht. Und seufzte einmal tief vor mich hin.

Es gibt wohl kaum jemanden, der von seiner Reizwahrnehmung so wenig dazu geeignet ist, in anderer Leute Wohnungen zu campieren.
Ich kenne auch niemanden, der so pingelig ist, wie ich.
Ich kenne auch niemanden, der so intolerant gegenüber "falscher" Wohnungseinrichtung ist, wie ich.
Und ich kenne niemanden, der kranksheitsbedingt so viel Anforderungen an Bett & Co. hat, wie ich.

Was passiert, wenn eine Hardcore-Verstandesfrau einfach mal radikal auf ihr Herz hört



Oh je, oh je, wo fange ich an?
Jeden Tag hätte ich den letzten Wochen kilometerlange Texte schreiben können. Dummerweise war ich zu schwach dazu. Denn mein Alltag "on the road" in fremder Leute Wohnungen ist natürlich zunächst einmal viel zeitintensiver, als das Leben in eigenen vier Wänden.

Aber der Reihe nach. Hüpfe ich mal zurück zum 15. Juli 2016. Zumindest in diesem Post. Am nächsten Tag wird meine ganze Wohnung ins Lager umziehen.
Das wissen aber noch nicht alle Gegenstände. Sie lungern in Ecken herum wie die Voll-krass-Handy-Jungs auf der Frankfurter Zeil. Immer wenn ich denke: so, ist ja kaum noch was, ploppt ein neuer Kubikmeter Kram auf. Das Fruchtfliegen-Syndrom.

Warum ich vor wenigen Tagen mein Zuhause aufgab und ein Experiment mit offenem Ende startete



Ich nehme jeden Freitag als Eichhörnchen verkleidet an Gangbang-Parties teil.


...


Augenbrauen oben?
Dann hast Du jetzt ungefähr den Gesichtsausdruck, der mir in den letzten Wochen täglich bei einer viel harmloseren Aussage entgegenblickte.

Aber der Reihe nach.

Es ist so viel passiert, daß ich Bücher füllen könnte.

Frau E. rotiert



Noch fix zur Post: diverse Päckchen abgeben.
Hoffentlich zum letzten Mal vor dem Umzug.
Jede Minute zählt.
Doppelt.
Langsam dreifach.

Ungeduldig schaue ich zu, wie die junge Auszubildende den ersten Karton auf das gelbe Quadrat legt, um die korrekten Maße zu prüfen.

10 Tips für kinderleichtes Aussortieren

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Viele Jahre ein Herz und eine Seele. Bis uns ein heißer Waschgang trennte..


Aller Anfang ist schwer.
Das erste Buch aus dem Regal zu ziehen und für immer in andere Hände zu geben, fühlte sich an, wie mir selbst einen Arm zu amputieren.
Oh Herr, das arme Buch. Stand hier immer so unschuldig bei seinen lieben Freunden. Und ich Schuft, rupfe es heraus, als hätte es Böses verbrochen und gebe es in einen miefigen Laden. Begrabbelt wird es von fremden, schmutzigen Händen, verächtlich wieder ins Regal gestellt. Vielleicht bleibt es dort wie ein Waisenkind, das immer wieder im Heim landet. Und nur die von der Masse Geliebten werden mitgenommen drumherum, diese ganzen platten 50 Shades und Harry Potters. Mein Buch aber wird dort stehen in kalten, einsamen Nächten, wenn das Neonlicht der Außenbeleuchtung Schlaf raubt und sich fragen, was es falsch gemacht hat bei mir.

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