Stockholm Station 4: Vom Luxuszimmer in die Semi-Bronx



Der nächste Morgen. Heute sollte ja alles besser werden. Fand mein Körper aber nicht. Er befand, ich solle maximal den Weg ins Bad schaffen. Was für eine Wohnungssuche und einen Auszug aus dem teuren Hotelzimmer enorm kontraproduktiv war. Ich erhielt ein paar Stunden Schonfrist aka Late Checkout. Als die Zeit nahte, war ich immernoch totkrank. Zum Glück befand ich mich in einem Stadium, in dem mir eh alles egal war. Also auch die Kreditkarte, die jetzt noch eine Nacht ächzen mußte.

Stockholm Station 3: Warum meine Kreditkarte in Station 3 kollabierte



So, nun saß ich nach Wohnungsräumen und Übergabe auf einem Haufen Taschen. Abmarschbereit. Ein Freund hatte mir die spontan zurückgelassene Reisetasche aus Deutschland mitgebracht. Und bei meiner schwedischen Freundin S. parkt ganzjährig ein Hackenporsche mit Basics für den Haushalt.
Nun war ich nicht mehr mobil. Und praktizierte den klassischen Stockholmer Umzug: mit einem Taxi.

Die Fahrer sind hier so einiges gewohnt. Täglich fahren sie Umziehende von Wohnung zu Wohnung.
Vor dem Marriott spuckte mich der Fahrer aus. Da standen wir dann: sechs Gepäckstücke, eine Drehtür und ich.
Drinnen standen auch welche. Mitarbeiter an der Rezeption. Ohne Kunden. Regungslos.

Ich schlörrte Tasche für Tasche in die Eingangshalle. Mitarbeiter: regungslos.
Ich holte mir einen dieser Hotelgepäckwagen und begann, zu stapeln. Mitarbeiter: regungslos.
Ich schob das beladene Gefährt mit Mühe über den dicken Teppichboden. Mitarbeiter: regungslos.

Hejdå Station 2! Auf nach... ja.. wohin eigentlich?

Woran erkennt man anhand einer Deckenlampe gewisse
Größenunterschiede zwischen Vermieter und Mieterin? ;-)


Wenn man von den Wasserhüpfeskapaden absieht, sahen meine drei Wochen hinter den schwedischen Gardinen so aus: im Dämmerschlaf schon Panik bekommen. Augen aufreißen, verschlafen nach dem Smartphone tasten, Internet aktivieren und die neusten Wohnungsanzeigen laden.

Wenn etwas Interessantes dabei, umgehend aus dem Bett quälen und anmailen. Meinen Milchreis ohne Milch frühstücken. Streß empfinden. Kopfschmerzen vom Streß bekommen. Ins Bett kriechen. Panik bekommen. Nach dem Smartphone tasten. Repeat.

Zweimal wurde ich zu einer Besichtigung eingeladen. Zweimal in drei Wochen. Was einem Return on Investment entspricht, der einem die Tränen in die Augen treibt.

Stockholm Station 2: Einmal wie Edward Snowden fühlen oder illegal auf Kungsholmen

Neubauviertel am Hornsberg Strand (auf der Insel Kungsholmen)
 
Der nächste Morgen. Eine Nacht Schonfrist gehabt. An diesem Tag mußte ich etwas finden. Oder etwas findet mich. Und was wäre dann eine Brücke. Zum Glück gibt es in Stockholm derer 54. Und eine sich selbst aufblasende Isomatte habe ich immer im Koffer dabei.

Nach dem Frühstück fuhr ich zum Hornsberg Strand. Vor zehn Jahren war hier nichts. Ein wenig Gewerbe, sonst Brachland. Innerhalb weniger Jahre wurden die ach so individuellen Neubauten hochgezogen, die von Frankfurt bis Sydney identisch aussehen. Und in denen man für horrendes Geld beim Blick aus dem Fenster direkt in 45 andere Wohnungen blickt, weil alles so nah beieinander gebaut wurde. Bin kein Fan davon. Ist natürlich Genöle auf höchstem Niveau. Schon klar.
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...